Von der Entdeckung der Langsamkeit und postapokalyptischem Feminismus

MEDIA Highlights im Juni

  • Filmszen aus DAO: Eine Frau tanzt auf einer Feier

    DAO © Films That Matter

  • Filmszene aus The Love That Remains: Eine Frau steht vor einer Metallskulptur

    THE LOVE THAT REMAINS © Hlynur Pálmason

  • Filmszene aus Gorgoná: Eine Frau fährt Motorrad

    GORGONÁ © Neue Visionen

Im Kreise der Familie vergeht die Zeit manchmal anders. Manchmal langsamer. Unsere MEDIA Highlights im Juni begleiten zwei Familien an ganz unterschiedliche Orte und in ganz verschiedene Settings. Wir sehen ein karges, raues Island, das auch sonnenbeschienen manchmal kühl und verlassen wirkt, neben einer Montage aus Familienzusammenkünften in Paris und Guinea-Bissau, die trotz andächtiger Stimmung immer voll und auf familiäre Weise betriebsam erscheinen. Diesen beiden sehr langsam erzählten Geschichten stellen wir in dieser Liste ein schnelles, lautes und gefährliches Endzeitdrama zur Seite, ein feministisches "Mad Maxine" im patriarchalen (und nicht zuletzt deshalb) post-apokalyptischen Griechenland.  

Mit DAO legt Alain Gomis einen langen, langsamen Film vor, der sich zunächst fast wie eine Dokumentation über sich selbst anfühlt, beginnt er doch mit seinem eigenen Casting, bevor sich die Schauspielenden allmählich in ihre Rollen begeben – und damit in ein gespieltes Familienverhältnis im Kontext einer
Hochzeit in Paris und einer Gedenkfeier in Guinea-Bissau. Einfühlsam und präzise blickt der Film auf die Verhältnisse zwischen Generationen, Geschlechtern und nicht zuletzt Emigrierten und Gebliebenen und seziert so auf meditative Art und Weise das Konstrukt Familie. 

THE LOVE THAT REMAINS setzt bereits in seinem Titel eine Lücke voraus. Kondition für den Verbleib des Einen ist der Abschied des Anderen. Hier: Der Vater, Fischer, oft und lange auf See. Ihm gegenüber: eine Mutter, alleingelassen mit der familiären Erziehungs- und Fürsorgearbeit, als Künstlerin mit Rückschlägen konfrontiert. Um sie herum: wildes Island und wilde Kinder in starken Bildern auf 35mm in 4:3 gerahmt. Der Film von Hlynur Pálmason schlägt tragikomische Töne an und lässt sie ohne Höhepunkte vor ansehnlicher Kulisse ausklingen. 

In ihrem Spielfilmdebüt GORGONÁ erzählt Evi Kalogiropoulou die Geschichte von Maria, die in einem vom dumpf klingenden Patriarchaldreiklang Petrol - Penis - Power dominierten Griechenland ums tägliche Überleben kämpft. In ambivalenter Position, denn als Mitglied und designierte Anführerin einer dieser herrschenden Gangs, trifft sie auf die mysteriöse Sängerin Eleni. Gemeinsam stellen sie das System in Frage und eröffnen einander neue Perspektiven auf Führung und Gemeinschaft – nicht ohne den erbitterten Widerstand eines gewalttätigen Systems. 

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