HAPPY BIRTHDAY APD! – Die 20. Animation Production Days in Stuttgart

Deutschlands wichtigster Koproduktions- und Finanzierungsmarkt für die Animationsbranche wird 20!

  • © Creative Europe Desks Deutschland

Während das 33. Internationale Trickfilmfestival Stuttgart in vollem Gange ist, gehen heute die parallel stattfindenden Animation Production Days zu Ende. Deutschlands wichtigster Koproduktions- und Finanzierungsmarkt für die Animationsbranche feierte in diesem Jahr nicht nur ein Rekordhoch an Einreichungen, sondern auch runden Geburtstag.

Für die europäische und internationale Animationsbranche sind sie ein Ort der Innovation und der Tradition zugleich: die Animation Production Days. Unter dem Dach der Stuttgart Animated Week fanden sie in dieser Woche (5.-7. Mai) zum bereits 20. Mal statt. Ein Anlass für Geschäftsführerin Marlene Wagener, zurückzublicken – denn 2007 bis 2026 bedeuten nicht nur zwei Jahrzehnte des steten Wandels für die Medienbranche, denkt man etwa Apples erstes iPhone, den VoD-Start von Netflix und die Gründung der ARD/ZDF-Mediatheken im selben Jahr 2007. Diese 20 Jahre stehen auch für ein stetes Wachstum der APDs, die auf insgesamt knapp 700 präsentierte Projekte verweisen können.

Begann die erste APD-Ausgabe (2007) vergleichsweise noch klein mit 12 Projekten, so konnten dieses Jahr aus einem neuen Hoch an Einreichungen 51 ausgewählte Projekte aus 23 Ländern präsentiert werden. 178 Fachgäste aus 27 Ländern kamen  – 110 Produzent*innen und Kreative sowie 68 Vertreter*innen von Sendern, VOD-Plattformen, Weltvertrieben, Verleihern und Institutionen aus dem Förderbereich (darunter das Creative Europe Desk München). Aus dieser Vielzahl an Teilnehmer*innen ergaben sich über 1000 einzeln vorab geplante Meetings, die die Luft zum Summen brachten.

Neben den wichtigsten deutschen Sendern waren auch internationale Plattformen wie Warner Bros. Discovery, Disney, France Télévisions, BBC, Canal+ und viele weitere nach Stuttgart gereist, um das Marktpotenzial neuer Projekte zu erkunden. Das zeigt: der Creative Europe MEDIA-geförderte Markt ist in den Jahren seines Bestehens längst zu einem festen Termin für die Branche auch jenseits der nationalen Grenzen geworden. Aber nicht nur die Einzelgespräche bildeten das Programm dieser Jubiläumsausgabe, sondern auch die APD-Konferenz, auf der in zwei Panels zu den beiden wohl aktuellsten Kürzeln der Medienbranche diskutiert wurde: KI und IP.

Was bedeutet der Einsatz von KI für Workflows und die kreative Arbeit in der Filmproduktion – und wie kann er effizient gelingen? Einen Blick in Gegenwart und Zukunft warfen Nira Bozkurt (AI Officer an der Filmakademie Baden-Württemberg), Larry Cutler (Chief Technical Officer und Mitgründer von Baobab Studios) sowie Aleksi Hyvärinen (Don Films & The Alchemist). Für kleinere europäische Unternehmen mit entsprechend kleinem Team liege bereits eine Herausforderung darin, KI zu implementieren, gab Moderatorin und Kuratorin Prof. Lilian Klages zu bedenken. Zentral war in diesem Panel die Einsicht, dass der professionelle Skill des Menschen beim Prompten der KI nicht hinfällig, sondern im Gegenteil entscheidend sei: ob man sein Handwerk als Künstler oder Produzent beherrsche, mache den Unterschied zwischen einem kontrollierten und unkontrollierten KI-Prozess aus. Oder, um es mit den Worten von Larry Cutler zu sagen: „It can be great or greatly dumb.“ Auch die Frage der Nachhaltigkeit beschäftigte die Runde. Green Producing werde durch die KI-Verwendung erschwert, betonte Nira Bozkurt, und wies auf die mangelnde Studienlage und den hohen Wasser-, Strom- und Energieverbrauch durch das Trainieren und Verwenden der KI hin. Kleinere oder lokale KI-Modelle zu nutzen sei indes nur bedingt eine Lösung: denn um die qualitativ selben Ergebnisse wie große Modelle zu erreichen, müsse ein Vielfaches der Arbeit investiert werden.

An die Reaktion des Publikums auf einen Film wird traditionell erst nach Abschluss einer Filmproduktion geschaut. Dass diese Reihenfolge im Zeitalter des Internets nicht so sein muss, bewies das Panel „The First Yes!“. Janine Weigold diskutierte mit BBC-Redakteurin Jo Allen und Victura-Gründer Thom Chapman, wie die strategische Entwicklung von Projekten angepasst werden kann, damit die IP gleich von Anfang an über verschiedene Plattformen und Umgebungen hinweg funktioniert. So wichtig das Bauchgefühl beim Pitch eines neuen Stoffes sei, so wichtig seien auch die Daten des Publikums – und von Beginn an mit zu bedenken, dass ja auf jeder Plattform der Content unterschiedlich konsumiert werde, so die BBC-Redakteurin. Und Thom Chapman ergänzte: „Das Development für eine Online-Auswertung liefert direktes Feedback der Zielgruppe – und kann so Hand in Hand mit einer größeren Entwicklung für einen Sender gehen.“

Roundtable-Gespräche, ein Pitch von Newcomer-Projekten und verschiedene Networking-Events rundeten das Programm der APDs ab.

Vielen Dank für dieses schöne Jubiläum, Animation Production Days.
Auf die nächsten 20 Jahre.