Triodos Bank startet Kreditvergabe für Filmprojekte

Ein Interview mit Björn Schümann und Khoa Ly von der Triodos Bank

  • Björn Schümann und Khoa Ly (c) Fotowerkstadt Danielle Schwipp

In den kommenden beiden Jahren stehen in Deutschland, Belgien, Spanien und den Niederlanden Kredite mit einem Gesamtvolumen von bis zu 200 Mio. Euro für die Finanzierung von Filmprojekten zur Verfügung. Dank einer Garantievereinbarung mit dem Europäischen Investitionsfonds (EIF) kann die Triodos Bank – nach eigenen Angaben Europas führende Nachhaltigkeitsbank  –  durch die Kredite ab sofort für den nötigen Cashflow bei der Zwischenfinanzierung von Filmprojekten sorgen.

Im Rahmen von Creative Europe haben die Europäische Kommission und der Europäische Investitionsfonds (EIF) einen Guarantee Fund für die Kultur- und Kreativbranche (CCS GF) ins Leben gerufen, um den Zugang zu Krediten für KMU in der Kultur- und Kreativbranche zu erleichtern. In Europa gibt es bereits über 7000 Projekte im Wert von über 2,3 Milliarden Euro, die von dieser Unterstützung profitieren.

Die Triodos Bank eröffnete im Sommer 2021 extra eine Zweigstelle in Hamburg, die sich der Filmfinanzierung widmet, und schloss zu diesem Zweck die von Creative Europe initiierte Garantievereinbarung mit dem EIF ab. Der Vertrag zwischen der Triodos Bank und dem EIF läuft bis Ende 2022, danach besteht die Möglichkeit, den Garantiefonds über InvestEU zu verlängern.

Die Unterstützung für den Kultur- und Kreativbereich wird im Rahmen des neuen gesamteuropäischen Programms InvestEU fortgesetzt.   Das Programm wird die Bereitstellung von Fremdkapital (eine Folgemaßnahme von CCS GF) fortsetzen und ein neues eigenkapitalbasiertes Instrument (MediaInvest) für die europäische audiovisuelle Branche einführen

Creative Europe Desk Hamburg sprach mit Björn Schümann und Khoa Ly, die Ansprechpartner bei der Triodos Bank für Filmfinanzierung.

Was hat Sie persönlich dazu bewogen, diesen Geschäftsbereich bei und mit der Triodos Bank aufzubauen?

Björn: Ich bin damals eher zufällig in die Filmbranche hineingerutscht. Bei meinem ehemaligen Arbeitgeber habe ich einen Kundenstamm übernommen, in dem eine Handvoll Filmproduzierende waren. Ich musste mich daher intensiv mit dem Thema Filmfinanzierung auseinandersetzen und habe dabei für mich festgestellt, dass das Mitwirken an einem Filmprojekt mir große Freude bereitete und hier ganz viele spannende und sympathische Menschen in der Filmbranche unterwegs sind.

Sicherlich hat dann auch mein persönliches Faible für gute Filme dazu beigetragen, dass ich mir eine Expertise und ein Netzwerk im Filmbereich aufgebaut habe. In den letzten Jahren rückten dann immer stärker Nachhaltigkeitsaspekte in meinen Privat- und Berufsleben in den Fokus, sodass ich damals nicht lange überlegen musste, als ich die Anfrage erhielt, ob ich Interesse hätte einen neuen Sektor „Arts & Culture“ für die Triodos Bank in Deutschland aufzubauen.

Khoa: Nach meinem Abitur war ich mit einem Verein für ein Jahr in Südamerika. Einige meiner FSJler haben zusammen mit einer lokalen Partnerorganisation ein Theaterstück über Frauenrechte in den Straßen Boliviens aufgeführt: Die Protagonistin trank über den Durst, tanzte auf Tischen und schlug die Männer. Es war äußert amüsant. Die gesamte Plaza in La Paz hat gelacht! Als der Wecker aber klingelte, war klar, es war nur ein Tagtraum. Der Ehemann übernahm wieder das Kommando und tat das, was die Protagonistin vorher getan hat, nur bitterernst und real. Das Publikum verstummte. Den Moment habe ich – auch als Mann - nie vergessen und seitdem weiß ich, Kunst und Kultur kann Menschen verändern und zum Nachdenken bewegen. Idealerweise zu etwas Besserem. Eine werteorientierte Bank wie die Triodos Bank will zum positiven Wandel anregen. Warum nicht über gute Filme?

 

Was unterscheidet die Triodos Bank in Punkto Filmfinanzierung von anderen Banken?

Björn: Rein von der Beantragung einer Filmfinanzierung unterscheiden wir uns nicht wesentlich von den etablierten Banken in der Filmbranche. Wir achten aber darauf, insbesondere Produzent:innen zu unterstützen, die sich mit unserem Werteverständnis identifizieren können und eine ähnliche Einstellung zum Thema Nachhaltigkeit haben.

Wir suchen nicht nur Kund:innen, sondern Partner:innen, die mit uns die Welt gemeinsam besser machen wollen. Schließlich ist unser Claim: Financing Change, Changing Finance.

 

Welche Rolle spielt der CCS GF bei der Entscheidung, in die Filmfinanzierung einzusteigen.

Khoa: Eine sehr wichtige. Wir finanzieren als Triodos Bank schon seit unserer Gründung Projekte im Bereich Kunst und Kultur. Es ist keine neue Branche, sondern ist tief in uns verwurzelt. Innerhalb der Filmfinanzierung sind wir in Spanien beispielsweise seit mehreren Jahren sehr erfolgreich unterwegs und konnten die Kulturschaffenden bei vielen Projekten unterstützen. Trotzdem war die Filmfinanzierung für uns in Deutschland mit ihren vielen regionalen Filmförderungen komplett neu und für mich persönlich erst einmal befremdlich. Die CCS GF war in Deutschland definitiv Beschleuniger der Idee, sodass wir uns auch einen Experten wie Björn mit ins Boot geholt haben.

Björn: In Deutschland, der jüngsten Niederlassung in der Triodos-Gruppe, starten wir jetzt diesen neuen Sektor. Gerade die exklusive Partnerschaft mit dem EIF und die CCS GF ermöglichen es uns, Filmschaffende finanziell zu begleiten, die normalerweise schwer Zugang zu Bankkrediten hätten. In Zeiten der Corona-Krise, die den Kultursektor sehr stark unter Druck gesetzt hat, und wo sich immer mehr Banken aus diesem Geschäft zurückziehen, ist das in meinen Augen von uns ein sehr schönes Signal in die Branche, dass wir die Menschen dort nicht vergessen haben.

 

Welche Firmen aus dem Filmbereich möchten Sie vorrangig ansprechen? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Khoa: Im ersten Schritt wäre es uns wichtig, dass wir mit Filmproduzierende sprechen, die in ihrer Historie schon den einen oder anderen Film erfolgreich fertiggestellt haben und nun eine Zwischenfinanzierung von mehr als 500.000 EUR für ein Filmprojekt suchen.

Björn: Wir befinden uns gerade in der Anfangsphase und wollen Erfahrungen sammeln. Idealerweise können wir dann gegenseitig voneinander lernen und gemeinsam wachsen. Wir sind dabei grundsätzlich aufgeschlossen, wenn wir angesprochen werden. Freie und unabhängige Filmproduzierende stehen bei uns aber stärker im Fokus, denn für diese Gruppe können wir einen echten Mehrwert mit unserer Filmfinanzierung bieten.

 

Wie wünschen Sie sich die Kontaktaufnahme mit möglichen Kunden?

Björn: Eine Kontaktaufnahme zu uns, kann über jegliches Medium einfach, kurz, formlos und direkt zum Beispiel über unsere eigene Homepage erfolgen. Wir sind zwar offiziell Banker, denen durchaus einen Hang zum Bürokratismus nachgesagt wird, aber wir sind hier eher pragmatisch und lösungsorientiert unterwegs. Quasi als Dolmetscher zwischen der Bank und den Kund:innen und Künstler:innen und somit als Problemlöser und Partner in einer gemeinsamen Zusammenarbeit.

 

Zurzeit starten Sie mit einem Modell der Zwischenfinanzierung ab 500.000 Euro Mindestkredit. Was erwarten Sie dafür von den Kreditnehmern? Förderzusagen von mindestens 500.000 Euro?

Khoa: Wir haben innerhalb der Triodos Bank in Deutschland bis jetzt Finanzierungen erst ab 3 Mio. EUR begleitet. Eine hohe Summe, die dadurch zustande kommt, dass wir mit einer kleinen Zweigniederlassung nicht alles bundesweit abdecken können. Trotzdem war es uns immer ein großes Bedürfnis gewesen, auch gesellschaftlich relevante Projekte begleiten zu dürfen. Wir haben über ein Jahr an unseren internen Prozessen gearbeitet. Mit der Filmfinanzierung konnten wir diese Einstiegshürde erstmals auf 500.000 EUR senken und hoffen damit für einen großen Teil der Filmproduzierende eine echte Alternative zu sein.

Björn: Uns ist bewusst, dass wir hiermit nicht jede:n Jungproduzent:in oder Dokumentarfilmer:in aktuell erreichen werden. Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass wenn wir in der Filmbranche gut ankommen und Fuß fassen können, wir uns dann über solche Punkte erneut Gedanken machen und dann hoffentlich auch Lösungen finden.

 

Welche Bedingungen müssten erfüllt sein, dass Sie Ihr Geschäft auch auf die GAP-Finanzierung ausweiten?

Björn: Ich möchte für die Zukunft nichts ausschließen, aber wir sind in Deutschland mit unserer Filmfinanzierung gerade erst gestartet und somit am Anfang einer sehr spannenden Reise. Die weiteren Banken, die sich mit Filmfinanzierungen schon viele Jahre beschäftigen sind deutlich größer als wir und haben hier aufgrund Ihrer Vergangenheit aktuell noch einen Vorsprung. Selbst diese Banken tun sich aber im Moment auch schwer mit Gap-Finanzierungen.  

 

Größere europäische Filmproduktionen werden oft als internationale Koproduktionen geplant. Sehen Sie ein Problem in einer Kreditlinie für ein internationales Projekt?

Khoa: Ganz und gar nicht. Sofern unser Kunde als Hauptproduzent:in agiert, schauen wir uns das Projekt gerne an. Uns ist es wichtig mit der Hauptverantwortlichen Person für das Projekt zusammen zu arbeiten.

Björn: Wenn es sich um eine Koproduktion mit einem minoritären Anteil handelt, können wir das Projekt nur begleiten, unter der Voraussetzung, dass der Hauptteil des Projektes bei uns in einer der internationalen Standorte der Triodos Bank Gruppe finanziert werden kann. So eine Konstellation haben wir für ein sehr spannendes Projekt gerade zufälligerweise auf dem Tisch zur Prüfung. Hier denken und handeln wir europäisch aus einer Hand heraus und suchen dann nach einer gemeinsamen Lösung, um zusammen in eine nachhaltige Zukunft zu investieren und Menschen miteinander zu verbinden. Denn Geld kann so viel mehr.
Vielleicht vertrauen uns auch deshalb europaweit über 720.000 Menschen.
Vielen lieben Dank für Deine Einladung zu diesem Gespräch.