Rückblick: Shakespeare meets "Breaking Bad"

"To be continued... Dynamic Storytelling in TV Drama Series" war der Titel der Lecture, die der britische Autor und Produzent John Yorke am 2. Juni auf Einladung von Creative Europe Desk, Studio Hamburg und FFHSH in Hamburg hielt.
Yorke, ehemals Head of Channel Four Drama bei der BBC Drama Production und Gründer der BBC Writers Academy, gab einen Überblick über verschiedene dramaturgische Strukturen und stellte seine neueste, aktuell mit dem Golden Globe ausgezeichnete TV-Mini-Serie WOLF HALL vor.

Der dramaturgische Unterschied zwischen "Macbeth" und "Breaking Bad"? Laut Yorke gäbe es keinen, genauso wie für ihn 3 oder 5 Akte auf dasselbe hinauslaufen. Jede gut erzählte Geschichte bediene sich der klassischen drei oder fünf Akte, das wäre für die Zuschauer optimal: Nach Einführung der Figuren und des Settings, käme der Konflikt, der durch den sogenannten "Midpoint" gebrochen würde. Daraufhin müsse der Held eine Lösung finden, um am Ende verändert in der Welt zu sein. Ganz gleich, ob "Shakespeare", "Harry Potter" oder "Breaking Bad", die zentrale Frage, so Yorke, sei jedoch stets: Woran hängt Dein Herz? Wir alle würden uns mit den Helden indentifizieren, sind Harry Potter, Luke Skywalker oder Walter White. Und überhaupt gäbe es Geschichten nur deshalb, weil das Universum so ein großes Chaos sei und der Mensch wiederum permanent danach streben würde, Ordnung in dieses Chaos zu bringen. Das Geschichtenerzählen sei ein Versuch, eine Ordnung herzustellen, schon deshalb bräuchten sie eine Form. Um diese im Arbeitsprozess herzustellen, sei für ihn ein Board unerlässlich, auf dem er die gesamte Geschichte sortieren, umschmeißen und neu formatieren könne.

Yorke differenzierte ausdrücklich zwischen Serien wie "Star Trek" & Co. und den so genannten Serials, die im Gegensatz zur Serie keine in sich abgeschlossenen Episoden hätten und deren Protagonisten sich über die Folgen hinweg verändern würden. Serien seien gut für terrestrisches TV, während Serials vorwiegend auf anderen Vertriebswegen konsumiert würden. Ein Cliffhanger sei ein typisches Merkmal eines Serial … man muss einfach dringend wissen, wie es weitergeht. Oder gleich "binge watching" betreiben.

"Investieren Sie in junge, talentierte Autoren" lautete Yorkes abschließender Rat an die zahlreich vertretenen Serienmacher im Publikum. "Und entwickeln Sie Ihre Instinkte, Sie werden dann schnell wissen, was richtig und falsch ist, was funktioniert und was nicht". Überhaupt müsse man die Regeln genau kennen, bevor man sie brechen könne.