European Film Forum auf der Berlinale 2020

Nachhaltigkeit war eines der großen Themen der Berlinale


""Der erste Ort für Veränderung, ist Ihre Organisation. Fangen Sie nicht morgen an, sondern heute, beginnen Sie klein und Schritt für Schritt", so Lucia Recalde, Leiterin des MEDIA Programms. Nachhaltigkeit war eines der großen Themen der Berlinale 2020, und auch das European Film Forum der Europäischen Kommission kam daran nicht vorbei. Unter dem Motto "Greener Pastures: Towards a sustainable audiovisual industry" wurde in Keynotes und bei einer Paneldiskussion darüber gesprochen, wie die Filmbranche ökologisch nachhaltiger und ressourcenschonender wirtschaften kann, welche Ansätze es gibt und wo besonders großer Handlungsbedarf besteht.

Ein Grußwort des EU-Parlaments überbrachte im vollen Saal der Landesvertretung Schleswig-Holstein das Parlamentsmtglied Laurence Farreng, die daran erinnerte, dass Film und Fernsehen die Werte und Vorstellungen der europäischen Gesellschaft widerspiegeln. Wolle man also "grüne Praxis" in der Gesellschaft vorantreiben, müsse das zwangsläufig auch im audiovisuellen Sektor stattfinden. Und entsprechende Maßnahmen für Nachhaltigkeit belohnt werden. Der Tenor des European Film Forum ist damit vorgegeben: Zeit zu handeln..

Moderator AC Coppens Matthijs interviewte als erste Gäste Wouter Knol und Christine Tröstrum von der Berlinale. Die Verantwortlichen des European Film Markets und der MEDIA-geförderten Initiative Berlinale Talents berichteten darüber, welche Rolle Themen der Nachhaltigkeit in der Festivalpraxis spielen. Dabei zeichnete Wouter Knol zunächst ein düsteres Bild und übte auch Selbstkritik: "Mit den Kilometern, die während der Berlinale mit den European Film Market-Shuttles gefahren werden, könnten wir einmal die ganze Welt umrunden. Das gilt es zu verbessern, wenn es um Nachhaltigkeit geht." Für den European Film Market gab es deshalb dieses Jahr ein "Sustainability Manifesto", das Strategien des Marktes auflistet, die vermeidbaren Umweltschäden entgegenwirken sollen: Dazu gehört neben der Verwendung von Mehrwegbechern und nachhaltigen Materialien bei Standbau und Werbung auch zukünftige Alternativen für die Shuttles. Auch das Berlinale Talents-Programm "Talents Footprints" will Vorreiter sein: Talents und Alumni sollen mit finanzieller und inhaltlicher Förderung ermutigt werden, Themen wie Umweltbewusstsein oder Klimaschutz in ihrer Arbeit anzugehen.

Wie das inhaltlich funktioniert, davon berichtete der Biologe und Regisseur Luc Jacquet. Der für "Die Reise der Pinguine" mit einem Oscar prämierte Dokumentarfilmmacher erzählte, wie er als Biologe in die Filmbranche kam und beide Bereiche voneinander profitierten. Gut zu unterhalten und gleichzeitig Bewusstsein für grüne Themen zu schaffen, sei gerade in Zeiten von "Fridays For Future" kein Widerspruch. Dabei warnte er aber auch vor einem blinden Aktionismus: "Wir müssen neue Wege entwickeln, um Nachhaltigkeit in der Produktion umzusetzen. Aber wir müssen auch aufpassen, dass wir die Ökologie nicht mystifizieren. Die Herausforderung besteht nicht darin, neue Bäume zu pflanzen, sondern die Bestehenden zu erhalten."

Anschließend versammelte Coppens mit dem Panel "Greening the Industry, Taking It From There!" sechs Beitragende aus den Bereichen Produktion, Distribution, Fonds und Märkten, um der Frage nachzugehen, wie Nachhaltigkeit in die alltägliche Arbeitspraxis einfließen kann. Auf dem Podium trafen sich Philipp Gassmann, Arild Kalkvik (CEO KinoNor), Álvaro Longoria (Produzent bei Morena Films), Lucia Milazzotto (MIA Market), Jane Milichip (Chief Commercial Officer, Sky Studios) und Tim Wagendorp (Flemish Audiovisual Fund). Man ist sich schnell einig, dass allein Mehrwegbecher beim Catering keine Lösung für einen langfristigen grünen Wandel sein können. Es müssten auch Maßnahmen getroffen werden, die neben Abfall auch Transport oder Energie einschließen. Um das zu ermöglichen, sei ein Mentalitätswandel nötig. Ein Eco-Label beispielsweise, das einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen auszeichnet, sollte nicht als Hürde für Filmemacher*innen verstanden werden, sondern erstrebenswert sein. AC Coppens schloß das Panel mit den Worten: "Don't start tomorrow. Start today!"

"Kino ist das mächtigste Medium, um Emotionen hervorzurufen. Wenn wir hierüber auch das Bewusstsein für Nachhaltigkeit steigern wollen" resümiert Lucia Recalde, Leiterin des MEDIA Programms, das European Film Forum, "dann müssen wir bei uns selbst anfangen. Es gibt mittlerweile Förderinstitutionen, die ein grünes Produktionsverhalten bereits in ihren Richtlinien festgeschrieben haben. Auch wir im MEDIA Programm werden darüber nachdenken, welchen Beitrag wir leisten können." Das Thema sei inzwischen genauso wichtig wie die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern, so Recalde, beides würde in der Europäischen Kommission gleichermaßen vorangetrieben. In Cannes sollen weitere Best-Practice-Ansätze präsentiert werden.

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