Kino on Demand wird europäisch


"European Cinema & VOD Initiative" - kurz ECVI - heißt das neue VoD-Projekt des Kölner Unternehmens Rushlake Media (RLM). Gründer und Geschäftsführer von RLM ist Philipp Hoffmann, zuvor als Head of Marketing beim Weltvertrieb The Match Factory tätig. Für ECVI erhielt die Firma von Creative Europe MEDIA jüngst eine Förderzusage über 470.000 Euro. Bei dem Aufruf für Online Distribution wurden zehn von 34 eingereichten Projekten mit mehr als 3 Millionen Euro unterstützt.

ECVI ist die europäische Variante von "Kino on Demand" ». Mit Hilfe von "Kino on Demand" » bieten aktuell 13 deutsche Kinos ihrem Publikum auf der eigenen Filmtheater-Website zusätzliche Filmangebote für zu Hause an. Das sind aktuelle Filme, die nicht mehr im Kino gezeigt werden, aber auch Klassiker, Lieblingsfilme oder Werkschauen großer Regisseure. So konnten die Kinos zum Beispiel die Amy Winehouse-Doku "Amy" erfolgreich als VoD-Angebot offerieren und ebenso punkten, indem sie parallel zu den "Toni Erdmann"-Vorstellungen auf den Website Maren Ades früheres Werk "Alle anderen" als VoD anboten. "Für die Kinos und Zuschauer bieten wir einen Mehrwert, so dass man im unmittelbaren Kinokontext eine noch größere Auswahl hat", so Hoffmann. "Verleiher und Inhaber von Filmrechten wiederum haben endlich die Möglichkeit, ihre Filmtitel, die bei großen Anbietern wie iTunes oder Amazon nur schwer ihr Publikum finden, punktgenau ihrer Zielgruppe zur Verfügung zu stellen. Und wir wollen in den nächsten ein bis zwei Jahren eine dreistellige Zahl an Kinos dafür begeistern." Technisch gesehen wird ein Player auf Kino-Webseite eingebettet und dem Web- Design angepasst. Initiiert wurde "Kino in Demand" zusammen mit der Bonner Kinomacherin Sigrid Limprecht. 2014 wurde es beim Workshop der Creative Europe Desks beim der Filmkunstmesse in Leipzig vorgestellt.

Kann diese Idee auch auf europäischer Ebene erfolgreich sein? Das Umfeld scheint günstig. Laut einer aktuellen Nielsen-Studie steigt die Nutzung von VoD-Angeboten weltweit kontinuierlich. Hierzulande geben bereits 16% der Bevölkerung ihr Geld für Video-on-Demand-Services aus. Und in Europa gehören, so der TV- und VoD-Datenbank Mavise der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle, gerade Kino- und Fernsehfilme mit 61 % klar zu den beliebtesten Inhalten aller rund 1.400 Abrufdienste in Europa. Geplant ist ECVI als paneuropäisches Netzwerk. Im ersten Schritt ist sie eine Kooperation mit Carbec Media aus Frankreich und der Stichting Nederlandse Filmpromotie aus den Niederlanden. In diesen Ländern soll das Angebot unter den Namen "La Toile" bzw. "Filmthuis" starten. "ECVI basiert in jedem Land auf dem gleichen Produkt - also "Kino on Demand" - und gleichen Service, aber unter einer eigenen lokalen Marke. Und ECVI ist mehr als eine technische Zusammenarbeit", so Hoffmann. "Wir wollen vor allem voneinander lernen. Was funktioniert in dem einen, was im anderen Land? Das Ganze sollte immer als sinnvolle Ergänzung bestehender Marktstrukturen gesehen werden." Entsprechend wird nur ein geringer Teil der MEDIA-Förderung in Technik fließen, der Löwenanteil ist für Marketingmaßnahmen geplant. Und "natürlich wollen wir ECVI mittelfristig ausbauen. Erste Gespräche dazu laufen bereits", so Hoffmann. Mehr zu Information zu ECVI soll es bei der Berlinale 2017 geben. Das passt, denn für den World Cinema Fund der Berlinale entwickelte RLM bereits eine VoD-Plattform, bei der ausgewählte, WCF-geförderte Filme weltweit online abrufbar sind. Erst mal die Welt - und jetzt Europa!