Monsieur Claude und sein Publikum

© Galerie Amuthon-Art
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Es war ein Feuerwerk an Wissen, das Fabian Gasmia, Detailfilm, und Torsten Frehse, Neue Visionen Filmverleih, auf dem vom CED Hamburg organisierten Creative Europe Talk anlässlich des Filmfests Emden-Norderney präsentierten. Unter der Moderation von Professor Claus Friede ging man der Frage nach dem Erfolgsrezept fürs Arthouse Kino nach, deren Antwort eindeutig "Qualität" hieß.

Für einen Verleiher heißt das, einem Film ein eigenes Gesicht zu geben, das den nationalen Marktgegebenheiten entspricht. Und dieses, lässt man die Zahlen sprechen, ist Frehse mit "Monsieur Claude und seine Töchter" gelungen. Von europaweit über 19 Millionen Zuschauern entfallen über 12 Millionen auf Frankreich, fast 5 Millionen auf den deutschsprachigen Raum und nur wenig mehr als 2 Millionen auf den Rest Europas.
Hier hat die sorgfältig auf den deutschen Markt abgestimmte Herausbringungsstrategie - Titel, Poster, Trailer, Werbung etc. - eindeutig funktioniert. Für eine weitere Mund-zu-Mund-Propaganda haben die über 320 Previews gesorgt, die im Vorfeld zum offiziellen Kinostart organisiert wurden. Zeitgeist sei für Frehse nicht entscheidend für die Auswahl eines Filmes, eher das Gefühl. Dennoch gäbe es ein paar Ausschlusskriterien wie Boxen, Pädophilie, Teenager. Gasmia pointiert, dass eine Beschreibung wie "in ruhigen Bildern erzählt der Regisseur eine Geschichte, die nicht vieler Worte gebraucht", sicher kein Publikumsknüller wird.

Im Gegensatz zu Frankreich, da waren sich Produzent und Verleiher einig, wo das Produzieren aufs Publikum ausgerichtet ist, würde in Deutschland oft am Markt vorbei produziert. Und es wird zu viel produziert, denn Produzenten verdienen am Produzieren, nicht am Absatz. Darunter leidet oft die Qualität, denn die muss man sich leisten können, wenn die optimale Entwicklung über Jahre dauert. Außerdem drängen zu viele Filme in die Kinos, ein Umstand, den Frehse und Gasmia auch den Förderbedingungen des DFFF zuschreiben. Die vertragliche Bindung gibt dem Verleiher nicht mehr die Möglichkeit, sich gegen die cineastische Herausbringung eines fertigen Filmes zu entscheiden, und auf der anderen Seite verhindert die frühe Verleiherbindung an Produktionen die Entdeckung filmischer Perlen auf Festivals.